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Active Sourcing in MedTech und Biotech: Warum klassische Stellenanzeigen nicht mehr reichen

von Dr. Stefanie Degenhartt

Früher war Recruiting einfach. Also meistens.


Die Personalabteilung veröffentlichte eine Stellenanzeige, wartete auf Bewerbungen und führte anschließend Gespräche mit den passendsten Kandidat:innen. In vielen Branchen hat dieses Modell lange funktioniert.

Heute reicht das nicht mehr.

Warum? Gerade in MedTech, Life Sciences und Biotechnologie sind viele der besten Fach- und Führungskräfte nicht aktiv auf Jobsuche. Sie entwickeln Produkte, verantworten regulatorische Prozesse, leiten Projekte, arbeiten an Studien, verbessern Diagnostikverfahren oder treiben Innovationen in hochspezialisierten Märkten voran.

Kurz gesagt:

Die Menschen, die Sie suchen, suchen häufig nicht nach Ihnen. Hm, spannend. Aber es gibt eine Lösung.

Denn genau hier setzt Active Sourcing an.

Warum Recruiting in MedTech und Biotech anders funktioniert

Unternehmen aus Medizintechnik und Biotechnologie stehen vor einer besonderen Herausforderung: Sie benötigen hochqualifizierte Spezialist:innen, die fachlich, kulturell und regulatorisch zum Unternehmen passen.

Gesucht werden zum Beispiel Expert:innen aus Bereichen wie:

  • Regulatory Affairs
  • Quality Management
  • Clinical Affairs
  • R&D
  • Produktentwicklung
  • Diagnostik
  • Laborautomation
  • Bioprozesstechnik
  • Projektmanagement
  • Vertrieb komplexer Medizinprodukte

Diese Profile sind oft eng im Markt vernetzt, fachlich spezialisiert und beruflich bereits gut eingebunden. Ein Wechsel kommt für sie nur infrage, wenn die neue Aufgabe wirklich überzeugt.

Nicht nur durch Gehalt.

Sondern durch Perspektive, Sinn, Entwicklungsmöglichkeiten, Führungskultur und eine klare unternehmerische Vision.

Für Geschäftsführung und HR bedeutet das: Erfolgreiches Recruiting beginnt nicht erst mit der Bewerbung. Es beginnt deutlich früher: Mit Sichtbarkeit, Relevanz und gezielter Ansprache.

Active Sourcing ist mehr als Kandidat:innen anschreiben

Ein häufiger Irrtum lautet: Active Sourcing bedeutet, passende Profile zu finden und ihnen eine Nachricht zu schicken.

Aber das ist zu kurz gedacht.

Professionelles Active Sourcing bedeutet nicht:

„Wir schreiben möglichst viele Menschen an.“

Es bedeutet:

Wir bauen gezielt Beziehungen zu den richtigen Menschen auf.

Die besten Recruiter:innen denken deshalb nicht nur in offenen Stellen. Sie denken in Netzwerken, Talentmärkten, Wechselmotiven und langfristiger Beziehungspflege.

Gerade in der MedTech- und Biotech-Branche ist das entscheidend. Denn hier geht es selten um austauschbare Profile. Es geht um Menschen mit spezifischem Know-how, Marktkenntnis und Erfahrung in regulierten, innovationsgetriebenen Umfeldern.

Der häufigste Fehler im Active Sourcing

Viele Direktansprachen klingen austauschbar.

Zum Beispiel:

„Wir haben Ihre spannenden Erfahrungen gesehen und möchten Ihnen eine interessante Position vorstellen.“

Oder:

„Sie möchten sich beruflich verändern? Dann haben wir eine spannende Möglichkeit für Sie.“

Solche Nachrichten erhalten qualifizierte Kandidat:innen regelmäßig. Sie wirken generisch, unpersönlich und wenig relevant.

Das Problem dabei:

Wer Top-Kandidat:innen erreichen möchte, darf nicht wie alle anderen klingen.

Was stattdessen funktioniert, ist Kontext.

Eine gute Ansprache zeigt sofort, warum genau diese Person relevant ist und warum sich ein Gespräch lohnen könnte.

Zum Beispiel:

„Wir unterstützen aktuell ein Unternehmen aus der Diagnostik, das an einer Lösung arbeitet, mit der Laborprozesse deutlich effizienter werden können. Ihre Erfahrung im Bereich XYZ könnte für diese Entwicklungsphase besonders relevant sein.“

Plötzlich entsteht ein anderer Eindruck. Es geht nicht um eine Massenansprache, nach dem Motto: Kennst du eine, kennst du alle. Es geht um eine konkrete fachliche Verbindung.

Relevanz entscheidet über Reaktion, Desinteresse oder Ghosting

Gerade Entscheider:innen in HR und Geschäftsführung sollten Active Sourcing nicht als reinen Kanal zur Kandidatengewinnung verstehen. Es ist ein strategisches Instrument, um mit einem begrenzten, hochspezialisierten Talentmarkt in Kontakt zu kommen.

Relevante Ansprache beantwortet unausgesprochen die wichtigsten Fragen der Kandidat:innen:

Warum kontaktieren Sie genau mich?

Warum ist diese Aufgabe fachlich interessant?

Warum sollte ich über einen Wechsel nachdenken, obwohl ich nicht aktiv suche?

Was macht dieses Unternehmen anders?

Welche Perspektive entsteht für mich?

Je besser diese Fragen beantwortet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass aus einer ersten Nachricht ein Gespräch entsteht.

Active Sourcing ist Dialog, kein Verkaufsgespräch

Die besten Gespräche beginnen selten mit einem fertigen Jobangebot.

Sie beginnen mit echtem Interesse.

Zum Beispiel mit Fragen wie:

  • Welche Projekte motivieren Sie aktuell besonders?
  • Welche Entwicklungen beobachten Sie in Ihrem Fachgebiet?
  • Welche Rahmenbedingungen brauchen Sie, um wirklich gut arbeiten zu können?
  • Welche Herausforderungen sehen Sie in der Branche?
  • Welche Rolle könnte für Sie langfristig interessant sein?

Solche Gespräche führen nicht immer sofort zu einer Bewerbung. Aber sie schaffen etwas, das im Recruiting häufig unterschätzt wird: Vertrauen.

Und Vertrauen ist in spezialisierten Märkten oft der entscheidende Faktor.

Denn Menschen wechseln nicht nur wegen einer Position. Sie wechseln, wenn sie das Gefühl haben, dass Aufgabe, Unternehmen, Führung und Zukunftsperspektive wirklich passen.

Was Unternehmen in MedTech und Biotech daraus lernen können

Wer in der MedTech- oder Biotech-Branche erfolgreich rekrutieren möchte, sollte Recruiting nicht mehr nur als Prozess zur Schließung von Vakanzen betrachten.

Es geht um strategischen Aufbau von Beziehungen.

Das bedeutet:

Sie brauchen ein klares Verständnis Ihres Wunschkandidaten.

Sie brauchen eine überzeugende Arbeitgeberbotschaft.

Sie brauchen eine persönliche, fachlich relevante Ansprache.

Und Sie brauchen einen Recruiting-Partner, der mit Kandidat:innen auf Augenhöhe kommuniziert.

Gerade bei schwer zu besetzenden Positionen kann professionelles Active Sourcing den Unterschied machen zwischen monatelanger Vakanz und passenden Gesprächen mit Kandidat:innen, die über klassische Stellenanzeigen nie erreicht worden wären.

Fazit: Active Sourcing ist Beziehungsaufbau

Active Sourcing ist kein kurzfristiger Trick, um schnell Lebensläufe einzusammeln.

Es ist Beziehungsaufbau, Marktverständnis und gezielte Kommunikation.

Für Unternehmen aus MedTech, Life Sciences und Biotechnologie ist das besonders wichtig, weil die besten Talente häufig nicht aktiv suchen, aber offen für neue Herausforderungen sind.

Entscheidend ist nicht, möglichst viele Menschen anzuschreiben.

Entscheidend ist, die richtigen Menschen mit der richtigen Botschaft zur richtigen Zeit zu erreichen.

Genau darin liegt die Stärke von spezialisiertem Recruiting.

Sie suchen Fach- oder Führungskräfte in MedTech, Life Sciences oder Biotech?

Degenhartt Consulting unterstützt Unternehmen dabei, hochspezialisierte Kandidat:innen gezielt zu identifizieren, anzusprechen und für passende Positionen zu gewinnen, diskret, persönlich und mit tiefem Verständnis für anspruchsvolle Recruiting-Prozesse.

Lassen Sie uns sprechen, wenn Sie eine Position besetzen möchten, bei der klassische Stellenanzeigen nicht mehr ausreichen.


Anmerkung:
Ich werde in meinen Texten immer nur EINE Variante des Genderns verwenden. Entweder weiblich oder männlich. Ich möchte hier der Vollständigkeit halber erwähnen, dass sich explizit immer ALLE Geschlechter angesprochen fühlen dürfen. Trotzdem oder gerade deswegen.