Degenhartt Consulting - Blog: Bank im Wald

Der Blog:
Wertvolle und amüsante Einblicke aus dem Alltag eines Personalberaters

Die stillen Mitleser auf LinkedIn oder des Blogs, eine kleine Feldstudie aus dem Recruiting

von Dr. Stefanie Degenhartt

Ich weiß, Sie sind da. Auch wenn sich das Internet und speziell Social Media gerade so anfühlen, als wäre ich alleine. Aber Sie sind da. Darüber habe ich mich auch mit meinen beiden Kolleginnen des Herzens, @Manuela Weigert und @Sabine Höfle-Reutin unterhalten.


Wir kamen zu folgendem Schluss:

Sie lesen, Sie scannen, Sie scrollen und Sie freuen sich (hoffentlich).

Aber Sie liken nicht. Und Sie kommentieren nicht.

Die Frage ist: Warum eigentlich nicht?

Als Recruiterin im MedTech-, Life-Science- und Biotech-Umfeld beobachte ich dieses Phänomen schon länger. Die sogenannten stillen Mitleser.

Menschen, die Beiträge lesen, oft sogar regelmäßig, aber die nie sichtbar reagieren.

Also habe ich mir erlaubt, eine kleine Feldstudie zu machen.

Die drei häufigsten Gründe hören sich ungefähr so an:

Hypothese 1: Keine Zeit

Der Klassiker.

„Ich lese Ihre Beiträge, aber zum Kommentieren komme ich nicht.“

Ok, verstanden. Fair enough.

CEOs, Geschäftsführer und HR-Direktoren haben selten Zeit, LinkedIn wie ein soziales Netzwerk zu behandeln. Für viele ist es eher eine Mischung aus Marktbeobachtung, Branchenradar und gelegentlichem Networking. Und ganz viel Abwehr von Verkaufspitches aus allen Branchen.

Da wird gelesen, aber nicht diskutiert. Diskussionen auf LinkedIn sind ja auch meistens so zielführend wie die Tür einer Drehtür zuschlagen zu wollen. Klappt nicht und endet mit Frust.

Deshalb lässt man es lieber. Mein vollstes Verständnis dafür.

Hypothese 2: Kein Interesse

Auch möglich.

Nicht jeder Beitrag kann ins Schwarze treffen und nicht jedes Thema ist für jeden relevant.

Aber meine Erfahrung sagt etwas anderes:

Die Menschen, die nie liken oder kommentieren, sind erstaunlich oft diejenigen, die später direkt schreiben oder anrufen. Die kommen dann quasi aus dem Off.

Damit kommen wir zur dritten Hypothese.

Hypothese 3: Die Angst vor dem Pitch

Und jetzt wird es spannend.

Viele Menschen, gerade Entscheider, haben ein feines Gespür dafür, was nach einem Kommentar passieren könnte.

Sie denken:

„Wenn ich jetzt kommentiere, bekomme ich gleich eine Nachricht.“

„Und dann kommt bestimmt ein Verkaufspitch.“ “Du lieber Gott, das möchte doch keiner.”

Das Problem ist also nicht das Interesse.

Das Problem ist die Erwartung eines Verkaufsgesprächs.

Wenn wir ganz ehrlich sind, unter uns Gebetsschwestern und Brüdern: Diese Sorge ist nicht völlig unbegründet.

LinkedIn ist mittlerweile ein Ort, an dem manche Nachrichten schneller nach Vertrieb klingen als nach Austausch. Und ich würde mich hier gar nicht mal ausnehmen. Wenn ich ehrlich bin. Ist zwar nicht schön, ist aber manchmal halt so.

Eine kleine Idee zur Lösung

Vielleicht sollten wir das Ganze einmal umdrehen.

Was wäre, wenn der Pitch gar nicht erst in der Nachricht kommt, sondern direkt im Beitrag?

Dann wissen Sie sofort, worum es geht. Wenn mein Angebot für Sie interessant ist, freue mich mich über eine Nachricht von Ihnen. Über DM, Email, Taube oder Eule.

Und niemand muss Angst vor der berüchtigten „Ich habe gesehen, dass Sie meinen Beitrag geliked haben“-Nachricht haben.

Also hier der Pitch, ganz offen, let’s go.

Wir arbeiten mit CEOs, Geschäftsführern und HR-Direktoren aus KMUs aus:

  • Medizintechnik
  • Life Science
  • Labordiagnostik
  • Biotechnologie

wenn es um schwer zu besetzende Rollen geht. Wir würden auch mit größeren Unternehmen zusammen arbeiten, die gerne einmal einen neuen Weg gehen möchten. Möchten aber die wenigsten. Ich lasse mich jedoch gerne vom Gegenteil überzeugen. :o))

Welche Rollen besetzen wir? Zum Beispiel:

  • Regulatory Affairs
  • Quality Management
  • Projekt- und Produktmanagement
  • Technical Service
  • Application und Vertrieb

Und nein, wir verschicken keine Lebensläufe wie Konfetti.

Wir suchen gezielt Menschen, die zu Ihnen passen. Und wir sprechen sie an.

Die eigentliche Frage

Bleibt also nur noch eine kleine Denkfrage an die stillen Mitleser:

Lesen Sie nur oder haben Sie gerade eine Rolle, die eigentlich längst besetzt sein müsste?

Wenn ja, dann müssen Sie nicht liken. Auch nicht kommentieren.

Ein Gespräch reicht. :o)

Herzliche Grüße

Stefanie Degenhartt


Anmerkung:
Ich werde in meinen Texten immer nur EINE Variante des Genderns verwenden. Entweder weiblich oder männlich. Ich möchte hier der Vollständigkeit halber erwähnen, dass sich explizit immer ALLE Geschlechter angesprochen fühlen dürfen. Trotzdem oder gerade deswegen.