Degenhartt Consulting - Blog: Bank im Wald

Der Blog:
Wertvolle und amüsante Einblicke aus dem Alltag eines Personalberaters

Unternehmenswerte stehen oft auf den Flipcharts.

von Dr. Stefanie Degenhartt

Entscheidungen zeigen, ob sie dort hingehören.


Viele Unternehmen glauben, sie hätten echte Werte.

Bei genauerem Hinsehen stehen auf der Website dann Worte wie

Innovation. Verantwortung. Teamgeist.

Auf den ersten Blick klingen solche Begriffe richtig gut.

Helfen aber im Recruiting ungefähr so viel wie ein Beipackzettel ohne Wirkstoff.

Gerade in Branchen wie MedTech, Biotech oder Life Sciences entscheiden sich Kandidaten heute nicht nur für eine Stelle, sie entscheiden sich für Unternehmen und dessen Haltung.

Und genau hier beginnt das Problem. Oder die Herausforderung. Je nach dem, wie optimistisch der Betrachter es sehen mag.

Denn viele Unternehmen können sehr gut erklären, was sie tun, aber kaum jemand kann wirklich erklären, wofür sie stehen.

Dabei ist genau das der Unterschied zwischen:

„Wir suchen Mitarbeiter.“

und

„Menschen wollen bei uns arbeiten.“

Werte sind keine Poster an der Wand

Echte Unternehmenswerte zeigen sich nicht im Leitbild auf der Website, sondern im Alltag.

Zum Beispiel:

  • Wie treffen Sie Entscheidungen?
  • Wie leben Sie Führung?
  • Wie behandeln Sie Fehler?
  • Wie gehen Sie mit Menschen um? Mitarbeitende, Kunden oder Lieferanten?

Kandidaten spüren das innerhalb von Minuten.

Gerade hochqualifizierte Fachkräfte in der Diagnostik, Medizintechnik oder Forschung stellen sich unbewusst vier Fragen:

  1. Passe ich mit meiner Haltung zu diesem Unternehmen?
  2. Kann ich hier wirken oder nur funktionieren?
  3. Wird meine Arbeit wertgeschätzt oder nur erwartet? und letztendlich:
  4. Fühle ich mich hier wohl?

Wenn diese Fragen unbeantwortet bleiben oder die Antwort “Nein” heisst, passiert etwas Interessantes:

Top-Kandidaten gehen einfach weiter.

Nicht aus Arroganz.

Sondern weil sie heute (immer noch) die Wahl haben.

Werte sind ein Recruiting-Filter

Manche Unternehmen versuchen möglichst viele Bewerber anzuziehen.

Die besseren Unternehmen ziehen die richtigen Bewerber an. Das funktioniert über klare Werte.

Ein Beispiel:

Ein Unternehmen definiert als zentralen Wert:

"Wir lösen Probleme, bevor sie jemand bemerkt."

Plötzlich verändert sich alles.

  • die Art der Führung
  • die Kommunikation im Team
  • die Erwartungen an Mitarbeiter

Und auch im Recruiting wird klar:

Gesucht werden keine Verwalter, sondern Problemlöser.

Die häufigste Falle

Viele Unternehmen formulieren Werte so allgemein, dass jede Organisation der Welt sie unterschreiben könnte.

„Teamwork“

„Innovation“

„Qualität“

Das Problem:

Wenn alles Prio 1 ist, ist nichts wirklich wichtig.

Starke Werte sind präzise und manchmal unbequem.

Zum Beispiel:

  • „Wir diskutieren hart und entscheiden schnell.“ Message: Hier kannst du etwas bewegen.
  • „Wir übernehmen Verantwortung statt Schuld zu suchen.“ Message: Fingerpointing findest du bei uns nicht.
  • „Wir erwarten Neugier, nicht Perfektion.“ Message: Fang an und entwickle die Lösung.

Solche Werte wirken.

Warum? Weil sie echte Orientierung geben und Impact liefern.

Warum CEOs sich damit beschäftigen sollten

Recruiting ist längst kein HR-Thema mehr, sondern eine strategische Führungsaufgabe.

Denn Werte bestimmen:

  • wie die Kolleg:innen miteinander umgehen
  • wen Sie einstellen
  • wie Teams arbeiten
  • wie lange Mitarbeiter bleiben
  • und wie attraktiv Ihr Unternehmen am Markt wahrgenommen wird

Gerade in wissensintensiven Branchen gilt:

Menschen arbeiten nicht nur für ein Gehalt, sie arbeiten für Sinn, Wirkung und Kultur.

Drei Fragen für Ihr Unternehmen

Wenn Sie Ihre Werte wirklich als Recruiting-Werkzeug nutzen möchten, beginnen Sie mit drei einfachen Fragen:

  1. Wofür stehen wir wirklich, auch wenn es unbequem wird?
  2. Welche Haltung erwarten wir von unseren Mitarbeitern? Und dürfen sie die auch leben? (siehe Punkt 1)
  3. Welche Menschen werden sich bei uns wohlfühlen und welche eher nicht?

Die Antworten darauf sind der Anfang eines Recruitings, das nicht nur Stellen besetzt, sondern Teams aufbaut.

Und genau darum geht es.

Wenn Sie echte Teams mit Impact entwickeln möchten, lassen Sie uns reden.

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Recruiting mit Herz, Hirn und Humor. Klingt gut? Finden wir auch.
Wir freuen uns auf Ihr Projekt.


Anmerkung:
Ich werde in meinen Texten immer nur EINE Variante des Genderns verwenden. Entweder weiblich oder männlich. Ich möchte hier der Vollständigkeit halber erwähnen, dass sich explizit immer ALLE Geschlechter angesprochen fühlen dürfen. Trotzdem oder gerade deswegen.