Degenhartt Consulting - Blog: Bank im Wald

Der Blog:
Wertvolle und amüsante Einblicke aus dem Alltag eines Personalberaters

Viele Stellenanzeigen so: Sie sind Superman* und suchen einen Job?

von Dr. Stefanie Degenhartt

*oder Superwoman, aber das nur der Vollständigkeit halber.


Du bringst mit:

  • 5 Jahre Erfahrung
  • 3 Programmiersprachen
  • Branchenkenntnisse
  • Projektmanagement
  • Führungserfahrung
  • 6 Jahre Auslandserfahrung
  • Alter max. 25.

Aha. Wenn man ehrlich ist: Gesucht wird oft eine Person, die es so eigentlich gar nicht gibt.

Gerade in spezialisierten Branchen wie MedTech, Biotech oder Life Sciences wird das schnell zum Problem. Der Talentmarkt ist klein. Und die wirklich guten Kandidaten lesen Stellenanzeigen ziemlich genau.

Die stille Abschreckung

Studien zeigen: (z.B. Behavioural Insights Team)

Viele qualifizierte Kandidaten bewerben sich gar nicht erst, wenn sie nur etwa 56 % der Anforderungen erfüllen.

Das heißt im Klartext: Zu lange Anforderungslisten schrecken genau die Menschen ab, die man eigentlich haben möchte.

Der entscheidende Unterschied

Ein gutes Anforderungsprofil unterscheidet drei Dinge:

Must-have

Ohne diese Fähigkeit funktioniert die Rolle nicht.

Should-have

Wäre hilfreich, kann aber auch entwickelt werden.

Nice-to-have

Ein Bonus, aber kein Ausschlusskriterium.

Diese Unterscheidung verändert Recruiting enorm, denn plötzlich wird sichtbar, was wirklich wichtig ist und was nur „nice to have“ klingt.

Die wichtigste Frage im Profil

Viele Unternehmen fragen sich:

Welche Fähigkeiten soll der Kandidat mitbringen?

Die bessere Frage lautet aber:

Welches Problem soll diese Person lösen?

Ein Beispiel: Ein Unternehmen sucht einen Produktmanager.

Das eigentliche Problem lautet aber: „Unsere Produktentwicklung dauert zu lange.“

Damit wird klar:

Gesucht wird nicht in erster Linie ein Titel, sondern jemand, der Prozesse schneller und effizienter macht.

Und schon verändert sich das gesamte Profil. Es muss gar kein Produktmanager im eigentlichen Sinne sein.

Die Rolle der Persönlichkeit

Wir sind uns einig, gerade in wissensintensiven Branchen ist Fachwissen wichtig.

Aber ob jemand wirklich erfolgreich wird, entscheidet oft nicht nur das Wissen und die Kompetenz, sondern auch das Team.

Deshalb gehört auch diese Frage ins Profil:

Welche Persönlichkeit passt zu diesem Team?

Zum Beispiel:

  • analytisch oder kreativ
  • strukturiert oder explorativ
  • diplomatisch oder direkt

Das sind keine nebensächlichen Soft-Skills.

Das ist oft der Unterschied zwischen guter Zusammenarbeit und dauernder Reibung.

Fazit

Ein gutes Bewerberprofil ist kein Wunschzettel.

Es ist eine strategische Entscheidung.

Je klarer ein Unternehmen definiert, welches Problem eine Rolle lösen soll, desto einfacher wird Recruiting.

Und desto größer ist die Chance, genau die Menschen zu finden, die das Unternehmen wirklich voranbringen.

Rufen Sie jetzt an, wenn Sie die passenden Mensch für Ihr Unternehmen begeistern möchten.


Anmerkung:
Ich werde in meinen Texten immer nur EINE Variante des Genderns verwenden. Entweder weiblich oder männlich. Ich möchte hier der Vollständigkeit halber erwähnen, dass sich explizit immer ALLE Geschlechter angesprochen fühlen dürfen. Trotzdem oder gerade deswegen.